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EM Göteborg Dressur

Gold für Deutschland

Mit deutlichem Vorsprung gewinnt die deutsche Dressurmannschaft in Göteborg zum 23. Mal Gold bei Europameisterschaften (237,072 Prozent). Damit ist Deutschland jetzt amtierender Olympiasieger, Welt- und Europameister, Weltranglistenerster und Weltcupsieger in der Dressur. Die Silbermedaille geht an Dänemark (224,643). Die schwedischen Gastgeber sichern sich Bronze (221,143). Schon an Tag 1 des Grand Prix als Teamentscheidung war das deutsche Quartett auf Goldkurs. Als erstes Paar legten Helen Langehanenberg (Billerbeck) und Damsey FRH gestern 74.959 Prozent vor. Es folgten Dorothee Schneider (Framersheim) und Sammy Davis jr. mit 74,585 Prozent. Sönke Rothenberger (Bad Homburg) und Cosmo steigerten diese Leistung an heute noch: 78,343 Prozent. Als letztes Paar des Tages präsentierten sich Isabell Werth (Rheinberg) und Weihegold OLD als Klasse für sich. Mit 83,743 Prozent katapultierten sie sich an die Spitze der insgesamt 66 Paare aus 20 Nationen, von denen 16 um den Mannschaftstitel gekämpft haben. „Erster, Zweiter, Vierter, Sechster – das ist ja gewaltig. Damit haben wir nicht gerechnet“, so die erste Reaktion der völlig begeisterten Bundestrainerin Monica Theodorescu. „Wir haben natürlich gehofft, dass alle so gut sind. Aber dass es dann am Ende so ein Resultat ist, macht mich sehr, sehr glücklich und auch stolz auf die Pferde. Ich habe gedacht, dass wir gewinnen können, aber nicht ganz so überzeugend. Dass es jetzt so gekommen ist, da bin ich auch ein bisschen sprachlos.“ Da hatte Sönke Rothenberger, mit dem Isabell Werth im vergangenen Jahr olympisches Gold in Rio gewann, schon die Zeit gehabt, einen analytischen Blick auf seinen Ritt zu werfen. „Ich hatte eigentlich ein super Gefühl. Ich denke, wir hatten eine sensationelle Piaff-Passage-Tour und eine super Trabtour. Ich muss mir das natürlich nochmal angucken, aber vom Gefühl her, konnte ich mich zurücksetzen und das Pferd fing von ganz alleine an im Takt los zu schwingen. Ich konnte Cosmo auf der Stelle halten“, sagte der Zweitplatzierte, der nun zusammen mit seinen drei Teamkolleginnen am Freitag im Grand Prix Special um den ersten Einzeltitel reitet. „Wenn man um die Einzelmedaillen kämpfen will, dürfen einem diese Fehler wie in der Galopptour nicht passieren. Aber dafür haben wir noch zwei Tage.“ Rothenberger und der 10-jährige Wallach Cosmo hatten Unsicherheiten in den Galopptraversalen, die nach der Einschätzung des 22-jährigen Reiters zum Fehler bei den Einerwechseln führten.

Sönke Rothenberger gewinnt Einzel-Silbermedaille

Isabell Werth (Rheinberg) gewinnt mit Weihegold OLD bei den Europameisterschaften die Goldmedaille mit 83,613 Prozent und holt sich damit erstmals nach zehn Jahren wieder den Titel im Grand Prix Special. Vize-Europameister wird Sönke Rothenberger mit Cosmo. Mit 82,479 Prozent ist der Bad Homburger der erfolgreichsten Dressurreiterin der Welt recht nahe gekommen. Die Bronzemedaille geht an die Dänin Cathrine Dufour mit Atterupgaards Cassidy (79.762). Das beste Drittel des 30-köpfigen Starterfeldes kam zuletzt. Darunter alle vier deutschen Reiter. Als erstes deutsches Paar gingen Dorothee Schneider (Framersheim) und der 11-jährige bayerische Wallach Sammy Davis Jr. um 16.15 Uhr ins Viereck. Fehler in der Pirouette und in der letzten Piaffe kosteten wertvolle Punkte. Mit Platz zwölf (73.249 Prozent) qualifizierte sich die Mannschafts-Olympiasiegerin von 2016 aber für die morgige Grand Prix Kür, in der die besten 15 des Special noch einmal um Einzelmedaillen kämpfen. Für Helen Langehanenberg (Billerbeck) und den 15-jährigen Hannoveraner Hengst Damsey FRH endete nach sehr teuren Fehlern die EM mit Platz 21 (70.756 Prozent) im Special. Viel geleistet hat heute auch die zwölfjährige Don Schufro-Tochter Weihegold OLD. „Das hat sich phantastisch angefühlt. Weihe ist im Moment wirklich in der Form ihres Lebens“, sagte die Weltranglistenerste Isabell Werth über die Stute. „Ich hatte ein unglaubliches Gefühl. Heute sind wir sehr nah an das herangekommen, was wir wirklich können. Ein bis zwei Kleinigkeiten könnten wir noch verbessern“, sagte Sönke Rothenberger und war voller Begeisterung über den zehnjährigen Wallach. „Cosmo gibt mir so viel. Ich bin sehr dankbar, dass ich ihn habe.“ Und mit Blick auf die Zukunft: „Ich habe keinen Zweifel, dass wir jeden schlagen können. Wir müssen es am entsprechenden Tag aber auch abrufen können.“ Morgen in der Kür ist dazu schon mal Gelegenheit.

Silbermedaille mit goldenem Rand für Rothenberger

Ein atemberaubendes Finale, das die Besucher im Ullevi Stadion in Göteborg von den Sitzen gerissen hat. Die neue Kür-Europameisterin Isabell Werth (Rheinberg) hat sich mit ihrem Teamkollegen Sönke Rothenberger (Bad Homburg) einen einmaligen Zweikampf geliefert. Beide ritten über die Schallmauer nahe der Perfektion und erreichten 90,982 und 90,641 Prozent – und eine eigene Klasse. Mit deutlichem Abstand verwiesen sie die Dänin Cathrine Dufour mit Atterupgaards Cassidy auf den Bronzerang (84.561 Prozent). Die dritte deutsche Finalistin Dorothee Schneider (Framersheim) mit Sammy Davis Jr. wurde Elfte in der Kür (76.289 Prozent). „Ich muss jetzt erst mal durchatmen. Zweimal über 90 Prozent ist unglaublich“, sagte die beeindruckte Bundestrainerin Monica Theodorescu. „Sönke ist bei diesem Championat in der Weltspitze angekommen. Er ist super geritten und hat alles umgesetzt“, lobte sie den erst 22-Jährigen. „Ich habe heute nichts zu kritisieren. Wir genießen das jetzt erst mal.“ Auf dem Siegertreppchen fiel alle Anspannung von Isabell Werth ab. Gerührt ließ sie sich feiern und feierte ihre Medaillenkollegen. „Nach Sönkes Ritt wusste ich, dass ich mir nicht den kleinsten Fehler erlauben darf. Das hat geklappt. Das war ein unglaublicher Wettkampf mit viel Spannung und Adrenalin. Das Publikum war unglaublich.“ Voll des Lobes war die jetzt dreifache Europameisterin wieder über ihre zwölfjährige Oldenburger Stute (von Don Schufro-Sandro Hit): „Weihe war phantastisch. Sie hat alles gegeben.“ Welche besondere Bedeutung diese Europameisterschaften und vor allem der Erfolg in der Kür für den Youngster der deutschen Dressurequipe haben, machte Sönke Rothenberger bei der abschließenden Pressekonferenz deutlich: „Das ist eine Silbermedaille mit einem goldenen Rand.“ Und daran hat sein zehnjähriges Ausnahmepferd Cosmo großen Anteil. Mit dem Wallach fand der Mannschafts-Olympiasieger von 2016 vom Springen zurück in die Dressur. „Cosmo gibt mir ein Gänsehautgefühl. Er hat alles umgesetzt, was ich abgefragt habe. Ich bin unglaublich glücklich. Cosmo gibt mir so viel zurück. Er ist ein Charakterpferd, aber ich liebe ihn so, wie er ist.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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