Pferdebetrieb Gerhard Loth
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Ist für das Wohlbefinden der Pferde gesorgt, schlägt das Reiterherz höher! So ist die Reitsportanlage der Familie Loth ein Begriff, wenn man von artgerechter Bewegungsmöglichkeiten, Wohlbefinden und Gesundheit in der Pferdehaltung spricht. In Friedberg – Fauerbach beheimatet, sind sie Pioniere zum Wohl der Pferde!
Pionierarbeit
Am 01. Oktober 2008 feierten die Loth`s mit der Familie, Freunden und Geschäftspartnern ihr 25 – jähriges Bestehen. Hervorgegangen aus einer Maschinenhalle, die außerhalb Fauerbachs lag, bauten die Eheleute Loth 1983 eine Reithalle mit elf Boxen. Ihr Bestreben war es, möglichst viel Licht und Luft den Pferden zugänglich zu machen. Pferdeboxen, mit sich nach außen öffnenden Fensterteilen, war neu. Sie startete diesen Versuch mit sechs weiteren Boxen und gaben den Pferden die Möglichkeit ihre Umgebung zu beobachten. In der Pferdewelt sprach sich das Experiment herum und die Nachfrage nach Boxen war groß, 1989 folgten weitere sieben Boxen. Auch der heute so beliebte Offenstall wurde noch nicht praktiziert. Innovativ und experimentierfreudig wie die Loth`s nun mal sind, nahmen sie 1993 die ersten Bewegungsboxen in Betrieb. „ Ja wir haben sie auf der Equitana in Essen abgebaut und bauten sie bei uns wieder auf,“ erinnert sich Gerhard Loth. „Wir, meine Frau Conny und ich sahen sie als die beste Alternative der Pferdehaltung an, egal ab Sport - oder Freizeitpferd.“ Kritisch wurden sie von ihren Konkurrenten beäugt, ob dieses Experiment der alternativen Haltungsmethode wohl gelingen würde. In dem Bewegungsstall sind Ruheraum und Fressbox von einander getrennt. Das Pferd kann nur durch einen Umweg durchs Freie vom einen zum anderen gelangen, das heißt die Bewegung war garantiert. Nur Wenige machten sich Gedanken was artgerechte Pferdehaltung überhaupt bedeutet und wie sie um zu setzten ist.
Gerhard und Conny Loth erhielten für diese neuartigen Stallungen aus den Händen von Hanns Ullstein, Gut Wildschwaige - Oberding, dem Vorsitzenden der Laufstall – Arbeitsgemeinschaft für artgerechte Pferdhaltung (LAG) die LAG – Plakette `anerkannter LAG Stall`. Bei dieser Auszeichnung nehmen Bewerber aus der Schweiz, Österreich und Deutschland teil.
Für dieses Projekt interessierte sich auch das hessische Landesamt für Regionalentwicklung und Landwirtschaft. Mit dem Pilotprojekt ` artgemäße Tierhaltung in Hessen – Pferde` beschäftigen sich Studenten und Professoren. Mit Kameraüberwachung wurde eine Langzeitstudie durchgeführt und das Pferdverhalten beobachtet. In einem Abschlussbericht von 1996/97 wurden dann die Erkenntnisse zusammengefasst. Auch Dirk Engelhard führte über diese Art von Bewegungsstall eine Diplomarbeit aus.
„Meine Anregungen und Ideen holte ich mir bei Seminaren in anderen Landesverbänden, die schon weiter waren wie Hessen.“ Hauptsächlich in Westfalen besucht Gerhard Loth einige Veranstaltungen. 1987 organisiert er das erste Pferdebetriebsseminar in Rosbach für Hessen. „Mit fast hundert Teilnehmern war es gut besucht, aber die meisten Teilnehmer waren nicht aus Hessen, sondern aus den norddeutschen Landesverbänden angereist,“ erinnert er sich. Im eigenen Landesverband musste man die Empfindlichkeit dafür noch wecken.“ Ab 1995 war Gerhard Loth Mitbegründer der Arbeitsgemeinschaft Pferdebetriebe bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung in Warendorf und dort auch ständige Gremium - Mitglied.
Gestern
Leicht war der Weg für Gerhard Loth nicht. Er musste sich immer wieder gegen seinen Vater behaupten, der aus der Landwirtschaft kam und einen Bauernhof in Fauerbach führte. Fritz Loth betrieb Ackerbau und Schweinezucht und hatte Pferde im Arbeitseinsatz.1971 baute er die ersten Boxen und nahm die ersten Einsteller auf. Er war einer der Mitbegründer nach dem II. Weltkrieg des bald 100 – jährigen Wetterauer Reitervereins. Wertvolle Arbeit leistet Fritz Loth in der Organisation der Friedberger Turniere. So hätte er es gerne gesehen, wenn auch sein Sohn Gerhard sich für das Pferd entschied. Gerhard spielte auch leidenschaftlich gerne Fußball. Aber eine Entscheidung musste fallen und auf anraten des Vaters sollte er sich für eine Sportart entscheiden. Es sollte das Pferd sein und zu seiner Konfirmation bekam er auch das Erste geschenkt. Gerhard Loth war in Dressur, Springen und der Vielseitigkeit, hier sogar auf Verbandsebene zu Hause. Die Liebe zu den Pferden hatte er von seinem Vater geerbt, aber die revolutionären Ideen seines Sohnes konnte Fritz Loth nicht verstehen. “Ich weis noch wie ich den ersten Hektar Acker zu Wiese einsäen wollte, hat mich mein Vater für verrückt erklärt, das wertvolle Land sollte Wiese werden. Aber mein Vater war halt vom alten Schlag.“
Heute
Aus diesem landwirtschaftlichen Betrieb hervorgegangene Reitsportanlage Loth ist ein Vorzeigemodell. Mit einer 20 x 40 Reithalle mit Vorplatz, der Longierhalle, dem Dressurplatz 20 x 60 draußen, einem Springplatz von 45 x 85, dem Roundpan und einem Allwetterplatz von 25 x 25m einer kleinen Vielseitigkeitsstrecke mit Einritt in einen Bachlauf und 4 Hektar Sommerkoppeln und 2 Hektar Winterkoppeln, lässt die Anlage nichts zu wünschen übrig. Eine Führanlage, das Solarium und die nötigen Waschplätze fehlen eben so wenig. Auch die Gemütlichkeit kommt nicht zu kurz. Von der Reiterstube aus hat man einen herrlichen Blick in die Reithalle und auch die Blockhütte mit Grillplatz fehlt nicht.
Revolutionär war Gerhard Loth auch in seinen Ideen die Fütterung der Pferde betreffend. „Wir haben schon immer individuell eine eigene Mischung aus Hafer, Gerste, Mais, Sojaöl, Leinsamen und Mineralfutter je nach den Bedürfnissen der Pferde frisch gemischt und gutes Stroh und Heu bzw. Silage gefüttert in einer Zeit, wo nur Hafer verfüttert wurde.“
Verein und Pferdebetrieb
Der Wetterauer Reiterverein gegründet 1910 und fast 100 Jahre alt ist bei Gerhard und Conny Loth beheimatet. Hier fanden sich die aktiven Reiter der Umgebung der Wetterau zusammen, um auch Turnier auszurichten. Aktiv waren sie auch für den Hessischen Reit - und Fahrverband als Veranstalter der Hessischen Meisterschaft auf der Seewiese in Friedberg, die den alten Pferdeleuten noch in guter Erinnerung sind. Seit 1985 finden im zweijährigen Rhythmus Turnier in Fauerbach statt, darunter auch die Kreismeisterschaften des KRB Wetterau. 2007 die Süddeutsche Ponymeisterschaft, die ein gelungnes Ereignis, das über Hessensgrenzen hinaus, in alle Landesverbänden Anklang fand. Über Neuerungen im Turniersport machte sich Gerhard Loth auch Gedanken. „Da ich viel im Norden Deutschlands unterwegs bin, bringe ich auch Neuerungen mit. So das Abgehen der A - Parcoure mit Pferden in Springpferdeprüfungen! „ Hier in Hessen wollten die Funktionäre nicht so richtig an diese Methode. Aber wir haben dies am Friedberger Turnier unter Leitung von LK – Beauftragten Dr. Ruprecht damals durchgeführt und viel Anklang bei den Reitern gefunden. Heute ist es in der LPO fest etabliert;“ so freut sich Gerhard Loth. Für das Projekt `Reiten im Schulsport` gibt es drei Ponys und ein Großpferd, die den Schülern der ortsansässigen Schulen zu Verfügung stehen.
Trotz der Vielfalt die die Reitsportanlage Loth bietet, ist die Anlage ein Familienbetrieb. Mit ihrem Sohn Jan Peter, der Landwirtschaft studiert und mit eingebunden ist in den täglichen Ablauf des Unternehmens Pferd haben sie einen Mitarbeiter für den Stall angestellt. „In der Ernte haben wir Freunde der Familie und Berufskollegen, die uns unterstützen. Mit dem Projekt von schwer vermittelbaren und leicht Behinderten, die als Praktikanten bei uns sind, arbeiten wir auch zusammen“, so Gerhard Loth.
Um die Ausbildung und den Beritt der Pferde kümmert sich auf der Anlage Loth Sabrina Deußer. Sie kommt aus einer der bekanntesten hessischen Reiterfamilien und machte mit der Stensbeck Auszeichnung ihren Abschluss als Pferdewirtin. Sabrina Deußer bietet individuellen Reitunterricht an sowie Beritt und die Korrektur der Pferde. Der Schwerpunkt ist die Springausbildung, aber auch für die Dressurausbildung ist durch den bekannten Ausbilder Christoph Brückmann der extern anreist gesorgt.
Morgen
Mit einem Zusammenschluss von Mitstreitern ist eine Biogas – Anlage geplant. „Wir beschäftigen uns intensiv mit der Entsorgung von Pferdemist und deren Probleme!“ Ich finde es verwerflich, dass Flächen, die zur Produktion von Nahrungsmitteln dienen, dem Anbau von Energiestoffen weichen müssen. Hier muss etwas getan werden.“ So wird das Zukunftsprojekt zu Zeit konkretisiert und man darf gespannt sein, wann die Reitsportanlage der Familie Loth wieder reden von sich macht!
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