V. li. n. re.: Dr. Wolfgang Kubens, Sandra Göb, Hendrik Langeneke, Sönke Völker. Foto: PSVH, KI-verbessert.

Wo die Liebe zu Pferden beginnt, muss Zukunft möglich sein

Mit Herzblut, Erfahrung und wirtschaftlichem Weitblick: Ein lebendiger Workshop des Pferdesportverbandes Hessen in Lich zeigte, wie Reitschulen und Reitvereine gemeinsam die Zukunft des Pferdesports gestalten können.

Lich. Es sind oft die ersten Begegnungen mit einem Pferd, die ein Leben lang in Erinnerung bleiben. Das vorsichtige Streicheln einer weichen Pferdenase, die ersten unsicheren Schritte im Sattel, das wachsende Vertrauen zwischen Mensch und Tier – für unzählige Kinder, Jugendliche und Erwachsene beginnt genau hier eine besondere Leidenschaft. Möglich machen diese Erfahrungen vor allem unsere Reitschulen. Sie öffnen die Türen zu einer faszinierenden Welt, vermitteln Werte, schaffen Gemeinschaft und legen den Grundstein für die Zukunft des Pferdesports.

Doch hinter diesen wertvollen Erlebnissen stehen Menschen, die Tag für Tag mit großem Engagement, Fachwissen und viel Herzblut dafür sorgen, dass Reitunterricht überhaupt möglich ist. Und sie stehen zunehmend vor der Herausforderung, ihre Leidenschaft für Pferde mit den wirtschaftlichen Realitäten eines Reitschulbetriebs in Einklang zu bringen.

Wie das gelingen kann, war die zentrale Frage eines Workshops des Pferdesportverbandes Hessen in Lich. Mit Sönke Völker, der selbst einen Pferdebetrieb führt, und Sandra Göb, der 1. Vorsitzenden des Reitvereins Bad Soden, standen zwei erfahrene Praktiker im Mittelpunkt der Veranstaltung, die wissen, was es bedeutet, Verantwortung für Lehrpferde, Mitarbeitende und Reitschüler zu übernehmen.

Reitschulen sind weit mehr als Orte zum Reitenlernen

Bereits zur Begrüßung machte Hendrik Langeneke, Geschäftsführer des Pferdesportverbandes Hessen, deutlich, welche Bedeutung die Reitschulen für den gesamten Pferdesport haben.

„Reitschulen sind weit mehr als Orte, an denen Menschen das Reiten lernen. Sie sind für viele der erste Berührungspunkt mit dem Pferd und legen damit den Grundstein für die Zukunft unseres Sports. Deshalb müssen wir alles daransetzen, ihre wirtschaftliche Existenz langfristig zu sichern“, betonte Langeneke.

Denn ohne Reitschulen fehlen nicht nur Ausbildungsangebote. Es fehlen Orte der Begegnung, an denen Freundschaften entstehen, Verantwortung gelernt und Begeisterung weitergegeben wird. Orte, an denen Kinder über sich hinauswachsen, Jugendliche Gemeinschaft erleben und Erwachsene einen Ausgleich zum Alltag finden.

Diese besonderen Orte zu erhalten, ist eine Aufgabe, die weit über betriebswirtschaftliche Überlegungen hinausgeht.

Leidenschaft allein bezahlt keine Rechnungen

So groß die Begeisterung für Pferde auch ist – eine Reitschule lässt sich nicht allein mit Idealismus betreiben. Lehrpferde müssen versorgt, gefüttert und tierärztlich betreut werden. Qualifizierte Trainerinnen und Trainer benötigen eine angemessene Vergütung, Reitanlagen müssen unterhalten und laufende Kosten gedeckt werden.

Genau hier setzten Sönke Völker und Sandra Göb an. Offen, praxisnah und mit einem tiefen Verständnis für die Herausforderungen des Reitschulalltags beschäftigten sie sich gemeinsam mit den Teilnehmenden mit den wirtschaftlichen Grundlagen eines erfolgreichen Betriebs.

Was muss eine Reitstunde tatsächlich kosten? Welche Ausgaben werden häufig unterschätzt? Wie lassen sich vorhandene Ressourcen besser nutzen? Und wie gelingt es, wirtschaftlich vernünftig zu handeln, ohne die Qualität des Unterrichts oder das Wohl der Pferde aus den Augen zu verlieren?

„Eine Reitschule kann nur dann dauerhaft guten Unterricht anbieten, wenn sie ihre Kosten kennt und ihre Preise entsprechend kalkuliert. Wirtschaftliches Denken ist keine Abkehr von der Leidenschaft für Pferde, sondern die Voraussetzung dafür, diese Leidenschaft langfristig leben und weitergeben zu können“, erklärte Sönke Völker.

Dabei wurde deutlich: Wirtschaftlichkeit ist kein Gegensatz zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Pferden. Sie schafft vielmehr die Grundlage dafür, dass Lehrpferde gut versorgt, Mitarbeitende fair bezahlt und Reitschüler langfristig qualifiziert ausgebildet werden können.

Unsere Lehrpferde verdienen besondere Verantwortung

Besonders intensiv beschäftigte sich der Workshop mit den Lehrpferden. Sie sind die stillen Helden des Reitschulalltags. Geduldig tragen sie Anfänger, vermitteln Sicherheit, schenken Vertrauen und ermöglichen Erfahrungen, die weit über das Reiten hinausreichen.

Doch diese wertvolle Arbeit verlangt einen verantwortungsvollen Umgang mit den Tieren. Fragen nach ihrer Auswahl, ihrem Einsatz, ihrer Gesunderhaltung und ihrer langfristigen Finanzierung sind deshalb nicht nur wirtschaftliche, sondern auch ethische Fragen.

Ebenso wichtig sind die Menschen, die mit ihnen arbeiten. Gut ausgebildete, motivierte und angemessen vergütete Trainerinnen und Trainer sind unverzichtbar, wenn Reitschulen dauerhaft erfolgreich sein sollen.

Auch moderne Organisationsformen, digitale Lösungen und steuerliche Rahmenbedingungen wurden beleuchtet. Immer mit dem Ziel, den Alltag in den Betrieben zu erleichtern und Freiräume für das zu schaffen, worauf es letztlich ankommt: die Arbeit mit Menschen und Pferden.

Aus Reitschülern sollen Vereinsmitglieder werden

Ein Thema lag den Beteiligten besonders am Herzen: die Verbindung zwischen Reitschulen und Reitvereinen.

Wer regelmäßig zum Reitunterricht kommt, erlebt die Faszination des Pferdesports unmittelbar. Doch Reiten ist mehr als eine gebuchte Unterrichtsstunde. Pferdesport lebt von Gemeinschaft, gegenseitiger Unterstützung, ehrenamtlichem Engagement und dem Gefühl, dazuzugehören.

Deshalb wurde während des Workshops intensiv darüber gesprochen, wie wichtig es ist, Reitschülerinnen und Reitschüler auch für eine Mitgliedschaft in einem Reitverein zu gewinnen.

„Wir dürfen Reitschülerinnen und Reitschüler nicht ausschließlich als Kunden eines Unterrichtsangebots betrachten. Sie sind potenzielle Mitglieder unserer Vereine und damit ein wichtiger Teil der Zukunft des Pferdesports. Es muss uns gelingen, ihnen neben gutem Reitunterricht auch Gemeinschaft, Zugehörigkeit und die vielfältigen Möglichkeiten des Vereinslebens zu vermitteln“, unterstrich Sandra Göb.

Denn aus dem Kind, das heute seine ersten Reitstunden nimmt, kann morgen ein engagiertes Vereinsmitglied werden. Vielleicht übernimmt es später Verantwortung im Jugendvorstand, unterstützt bei Veranstaltungen, wird Trainerin oder Trainer oder engagiert sich selbst ehrenamtlich.

Genau darin liegt eine der großen Stärken des organisierten Pferdesports: Menschen nicht nur für ein Hobby zu begeistern, sondern ihnen eine Gemeinschaft zu bieten, in der sie wachsen, sich einbringen und langfristig eine Heimat finden können.

Eine enge Verbindung zwischen Reitschulen und Vereinen ist deshalb weit mehr als eine organisatorische Frage. Sie ist eine Investition in die Zukunft des Pferdesports.

Wenn Erfahrungen geteilt werden, entstehen neue Perspektiven

Besonders lebendig wurde die Veranstaltung durch den offenen und intensiven Austausch zwischen den Referenten und den Teilnehmenden.

Schnell zeigte sich, dass viele Verantwortliche ähnliche Sorgen und Herausforderungen kennen. Steigende Kosten, die Suche nach geeigneten Lehrpferden, personelle Engpässe oder die Frage nach angemessenen Unterrichtspreisen beschäftigen zahlreiche Reitschulen.

Doch ebenso deutlich wurde, wie viel Erfahrung, Kreativität und Engagement in den Betrieben und Vereinen vorhanden sind.

Die Teilnehmenden brachten ihre eigenen Erfahrungen ein, berichteten von bewährten Lösungen, stellten Fragen und diskutierten unterschiedliche Ansätze. Sönke Völker und Sandra Göb griffen diese Beiträge auf, teilten ihre eigenen praktischen Erfahrungen und entwickelten gemeinsam mit den Anwesenden neue Perspektiven.

Es entstand ein lebhafter Dialog auf Augenhöhe, geprägt von Offenheit, gegenseitigem Interesse und der gemeinsamen Leidenschaft für Pferde.

Gerade dieser Austausch machte den besonderen Wert des Workshops aus. Denn häufig sind es nicht die großen theoretischen Konzepte, sondern die Erfahrungen anderer Menschen, die neue Ideen entstehen lassen und Mut machen, Veränderungen im eigenen Betrieb anzustoßen.

Die Veranstaltung zeigte eindrucksvoll, wie wichtig es ist, miteinander statt nebeneinander zu arbeiten, voneinander zu lernen und sich gegenseitig zu unterstützen.

Gemeinsam Verantwortung für die Zukunft übernehmen

Zum Abschluss verabschiedete Dr. Wolfgang Kubens, 1. Vorsitzender des Pferdesportverbandes Hessen, die Teilnehmenden, bedankte sich bei den Referenten und rückte noch einmal die gemeinsame Verantwortung für die Zukunft des Pferdesports in den Mittelpunkt.

„Wenn wir auch in Zukunft Kinder, Jugendliche und Erwachsene für den Pferdesport begeistern wollen, brauchen wir wirtschaftlich gesunde Reitschulen und starke Vereine. Beides gehört untrennbar zusammen. Unser Ziel muss es sein, Menschen nicht nur für das Reiten zu gewinnen, sondern sie dauerhaft für den organisierten Pferdesport zu begeistern“, betonte Kubens.

Der Workshop in Lich machte deutlich, dass wirtschaftlicher Erfolg, verantwortungsvolle Pferdehaltung und lebendiges Vereinsleben keine Gegensätze sind. Sie gehören zusammen und bilden gemeinsam die Grundlage für einen zukunftsfähigen Pferdesport.

Vor allem aber zeigte die Veranstaltung, wie viel Kraft in der Bereitschaft liegt, Erfahrungen zu teilen, voneinander zu lernen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

Mit solchen praxisnahen Angeboten schafft der Pferdesportverband Hessen Raum für Begegnung, Wissenstransfer und gegenseitige Unterstützung. Er stärkt damit diejenigen, die jeden Tag dafür sorgen, dass Menschen den Weg zum Pferd finden.

Denn die Zukunft unseres Pferdesports beginnt dort, wo ein Mensch zum ersten Mal einem Pferd begegnet, Vertrauen fasst und Begeisterung entwickelt.

Damit diese besonderen Momente auch für kommende Generationen möglich bleiben, brauchen wir wirtschaftlich gesunde Reitschulen, engagierte Menschen und starke Vereine.

 

PSVH/hc