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Mit vier Einzelvoltigierern, einem Pas de Deux und einem Juniorteam war Hessen bei den Deutschen Jugendmeisterschaften in Lamspringe breit vertreten. Höhepunkt aus hessischer Sicht war die Bronzemedaille für Aurelia Baier und Ida Romeis auf Caljano an der Longe von Tatjana Baier. Doch auch in den Einzelkonkurrenzen und im Gruppenvoltigieren überzeugte der hessische Nachwuchs mit starken Leistungen.

Den Auftakt für das hessische Aufgebot machte Kassidy Gussler mit Rudi und Nicolai Schober an der Longe. Bereits in der Pflicht gelang dem Trio ein überzeugender Einstieg in die Meisterschaft. Gussler turnte ihre Übungen harmonisch und auf den Punkt und wurde von den sechs Richtern mit einer Wertnote von 7,062 belohnt. Damit rangierte sie nach der ersten Teilprüfung auf einem starken zwölften Zwischenrang.

Im anschließenden Technikprogramm waren dann allerdings Flexibilität und Erfahrung gefragt. Rudi zeigte sich von der Atmosphäre und der Lautstärke im Wettkampfzirkel etwas beeindruckt, sodass Gussler ihr geplantes Programm spontan anpassen musste. Eine Herausforderung, die im Voltigiersport ebenso zum Wettkampf gehört wie die turnerische Leistung selbst. In der abschließenden Kür fand das Trio wieder zu seiner gewohnten Sicherheit zurück und präsentierte eine souveräne Runde. Am Ende stand für Gussler Platz 16 in der Gesamtwertung.

Klein schafft den Sprung ins Finale

In der großen Konkurrenz der Junior-Damen gingen mit Lilli Klein und Alicia Dietermann zwei weitere hessische Einzelvoltigiererinnen an den Start. Beide voltigierten auf Ticolina Z, vorgestellt von Natascha van der Schelde an der Longe.

Für Alicia Dietermann war es eine besondere Premiere. Nachdem sie bereits Erfahrungen bei Deutschen Jugendmeisterschaften im Gruppenvoltigieren gesammelt hatte, trat sie in Lamspringe erstmals als Einzelvoltigiererin bei einer DJM an. Sie kam sicher durch beide Umläufe und konnte insbesondere in der Kür Akzente setzen. Mit ihrem Kürprogramm machte Dietermann noch einmal Plätze gut und beendete ihre erste Einzel-DJM auf Rang 37.

Deutlich routinierter ging Lilli Klein in die Meisterschaft. Sie hatte Hessen bereits in den vergangenen Jahren regelmäßig auf nationaler Ebene vertreten und bestritt in Lamspringe ihre letzte DJM in der Juniorenklasse. Entsprechend entschlossen präsentierte sie sich von Beginn an. Mit einer starken Pflicht auf Rang 18 legte Klein den Grundstein für den weiteren Verlauf. In der Kür steigerte sie sich noch einmal, erreichte dort Platz 15 und sicherte sich damit den Einzug ins Finale.

Auch dort bestätigte sie ihre Leistung und schloss die Deutschen Jugendmeisterschaften auf dem 16. Gesamtrang ab. Damit gelang ihr zum Abschluss ihrer Juniorenzeit noch einmal eine Platzierung im vorderen Feld der nationalen Konkurrenz.

Haschtschek nutzt seine Chance

Für eine weitere starke hessische Platzierung sorgte Johann Haschtschek vom RuF Kelkheim. Gemeinsam mit Chrisu SG und Katharina Pfaffinger an der Longe war er als Newcomer nach Lamspringe gereist. Seinen Startplatz in der Konkurrenz der Junior-Herren hatte er sich über eine Wildcard gesichert.

Dass diese Startberechtigung keineswegs nur eine Gelegenheit zum Sammeln von Meisterschaftserfahrung war, bewies Haschtschek Runde für Runde. Er behauptete sich gegen die nationale Konkurrenz und zeigte, dass er sportlich in dieses Starterfeld gehört. Für ihn war Lamspringe zugleich der letzte Auftritt bei einer Deutschen Jugendmeisterschaft in der Juniorenklasse. Mit einem starken siebten Platz verabschiedete er sich aus seinem letzten Junior-Jahr.

DJM-Premiere für das Juniorteam der PSG Molzbach

Auch im Gruppenvoltigieren war Hessen vertreten. Das Juniorteam der PSG Molzbach hatte sich erstmals für eine Deutsche Jugendmeisterschaft qualifiziert und trat mit Caljano und Tatjana Baier an der Longe gegen insgesamt 20 weitere Mannschaften an.

Die Pflicht bildete eine solide Grundlage für das Meisterschaftswochenende. Mit Rang elf positionierten sich die Molzbacherinnen zunächst im Mittelfeld und hielten damit alle Chancen auf den Finaleinzug offen.

In der ersten Kür lief anschließend nicht alles vollständig nach Plan. Zwischen Tatjana Baier und dem im Team liebevoll „Calle“ genannten Caljano kam es zu zwei, drei Abstimmungsfehlern, die sich entsprechend in der Bewertung bemerkbar machten. Die Voltigiererinnen ließen sich davon jedoch kaum beeindrucken. Sie hielten an ihrer Kür fest, zeigten überwiegend sicher ausgeführte Übungen und überzeugten insbesondere mit ihrer choreografischen Interpretation.

Damit gelang dem jungen Team direkt bei seiner ersten DJM-Teilnahme der Sprung ins Finale. Auch die zweite Kür verlief nicht in allen Teilen hundertprozentig wie geplant, doch die Mannschaft bewies erneut, dass sie auf diesem Niveau konkurrenzfähig ist. Am Ende stand Rang elf unter 21 gestarteten Teams. Ein beachtlicher Einstand auf der nationalen Nachwuchsbühne.

Bronze im Pas de Deux. Nur zwei Tausendstel fehlen zu Silber

Für den sportlichen Höhepunkt aus hessischer Sicht sorgten schließlich Aurelia Baier und Ida Romeis. Die beiden Molzbacherinnen waren nicht nur Teil des Juniorteams, sondern gingen zusätzlich im Junior-Pas-de-Deux an den Start. Gemeinsam mit Caljano und Tatjana Baier an der Longe reisten sie mit berechtigten Ambitionen nach Lamspringe und erfüllten sich ihren Traum von einer DJM-Medaille.

Bereits die erste Kür brachte das hessische Duo in eine hervorragende Ausgangsposition. Bis auf kleinere Unsauberheiten lief das Programm souverän durch. Baier und Romeis konnten ihre Stärken in Schwierigkeit, Gestaltung und Zusammenspiel ausspielen und lagen nach dem ersten Umlauf auf Silberkurs.

Damit war vor der Entscheidung alles offen. In der zweiten Kür war die besondere Spannung einer Deutschen Jugendmeisterschaft dann allerdings spürbar. An zwei Stellen schlichen sich Fehler ein, die vor allem in der Ausführungsnote wertvolle Punkte kosteten. Am Ende ging Silber denkbar knapp an die Konkurrenz aus Bayern. Gerade einmal 0,002 Punkte trennten die beiden Duos.

Die erste Reaktion auf einen solch minimalen Abstand ist verständlicherweise von der Frage geprägt, was möglicherweise noch drin gewesen wäre. Longenführerin Tatjana Baier rückte das Ergebnis jedoch schnell in die richtige Perspektive: „Wir haben nicht Silber verloren, sondern Bronze gewonnen.“

Und genau das ist die entscheidende Bilanz. Aurelia Baier und Ida Romeis holten bei einer Deutschen Jugendmeisterschaft Bronze im Pas de Deux und bestätigten damit ihre Zugehörigkeit zur nationalen Spitze ihrer Altersklasse. Besonders vielversprechend ist dabei der Blick nach vorn. Für die beiden Molzbacherinnen endet die Juniorenzeit noch lange nicht. Sie haben weitere Jahre in dieser Altersklasse vor sich und damit noch reichlich Möglichkeiten, an die Leistung von Lamspringe anzuknüpfen.

So fiel auch die hessische Gesamtbilanz der Meisterschaften positiv aus. Vier Einzelvoltigierer, ein Pas de Deux und ein Juniorteam vertraten den Landesverband in unterschiedlichen Prüfungen, sammelten Finalteilnahmen und Top-Platzierungen und kehrten mit einer Bronzemedaille nach Hause zurück. Lamspringe zeigte damit nicht nur die aktuelle Leistungsfähigkeit des hessischen Nachwuchses, sondern auch, dass mehrere junge Athleten und Teams bereits Anschluss an das nationale Niveau gefunden haben.

 

Text: Tatjana Baier